Auf der A3 bei Weibersbrunn

Wildwest am Rasthof Spessart-Süd - Autodiebe rammen Polizeiwagen gegen Leitplanke

Foto: Harald Schreiber

Ihren Anfang genommen hatte die Verfolgungsjagd in Wildwest-Manier gegen 18 Uhr auf der Autobahn Richtung Würzburg zwischen den Anschlüssen Hösbach und Bessenbach: Wie die Polizei gestern berichtete, war einer Streife der Autobahnpolizei Aschaffenburg-Hösbach ein dunkelblauer Opel Astra mit GL-Kennzeichen (für Bergisch Gladbach) aufgefallen, in dem zwei Männer saßen.

Mit voller Wucht ins Polizeiauto
Eine Abfrage im Fahndungscomputer ergab: Das Auto war vor einem halben Jahr im Rheinisch-Bergischen Kreis in Nordrhein-Westfalen gestohlen worden. Klar, dass die Polizisten das Auto anhalten wollten. Zuvor aber forderten sie Verstärkung an und folgten dem Astra zunächst unauffällig. Diese Maßnahme erwies sich Minuten später als sinnvoll.

Als nämlich die Verstärkung eingetroffen war und bei Weibersbrunn - kurz vor dem Rasthof-Spessart-Süd - eines der beiden Polizeiautos das Anhaltesignal gab, ging der Fahrer des verfolgten Wagens aufs Ganze: Er gab Gas und rammte mit seinem Opel Astra und mit voller Wucht den links neben ihm fahrenden Streifenwagen. Daraufhin krachten sowohl der Opel als auch ein Polizeiauto in die Mittelleitplanke, wo sie beide stehen blieben.

Während der Fahrer des Opel die Tür seines schrottreifen Autos nicht mehr aufbekam, weil sie von der Leitplanke blockiert war, gab der Beifahrer noch nicht auf: Er sprang auf die Straße und rannte davon. Dabei muss er auch kurz über die zu diesem Zeitpunkt stark befahrene gegenüberliegende Fahrbahn Richtung Frankfurt gelaufen sein.
»Eine hochbrisante Situation«, wie Pressesprecher Dominik Schmidt vom Polizeipräsidium Würzburg gestern einräumte - »weil ja auch die Kollegen den Mann verfolgten«. Seine waghalsige Flucht nützte dem Mann aber nichts: Seine Verfolger nahmen ihn auf dem Mittelstreifen fest, sein Komplize saß ohnehin im Opel fest.

Nach Angaben von Polizeisprecher Schmidt blieben beide Männer, ein 30- und ein 36-Jähriger aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis, unverletzt. Drei der an der spektakulären Aktion beteiligten Polizisten erlitten jedoch Prellungen und kleinere Schnittverletzungen. An den Polizeiautos und an Fluchtwagen entstand ein Schaden von insgesamt 20.000 Euro.

Wie genau die Polizisten den Opel Astra ausmanövrierten und ob sie ihn gar in die Zange nahmen, wollen sie übrigens nicht sagen: Wer verrät schon seine Erfolgstaktik? Nur so viel gab Oberkommissar Schmidt gestern preis: »Die Kollegen auf der A 3 sind ziemlich routiniert bei so was.« Schließlich schnappten sie auf der Transitroute regelmäßig Drogenkuriere, Fahrer gestohlener Autos oder sonstige zur Fahndung ausgeschriebene Typen.

Ein Kilo Marihuana im Opel
Überraschend kam es während der ganzen Aktion zu keinen weiteren Unfällen. Die Autobahn Richtung Süden blieb allerdings zwei Stunden gesperrt, der Verkehr wurde über den Rasthof Spessart umgeleitet.

Die Ermittlungsrichterin schickte beide Männer gestern in Untersuchungshaft. Kein Wunder: Ihnen wird wohl nicht nur eine mehr als eine rüpelhafte Fahrweise und Autodiebstahl zur Last gelegt, sondern auch Drogenhandel. Im Opel Astra fand die Polizei ein Kilogramm Marihuana. So viel »Gras« hat einen Marktwert von 8000 bis 10.000 Euro. Jens Raab


Audio-Kommentar von Dominik Schmidt, Polizei Unterfranken

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